Bist du schon erwacht?

erwachen

Theo­re­tisch kann jeder Mensch erwa­chen. Aber prak­tisch ist es fast unmög­lich. Denn sobald ein Mensch für einen Augen­blick auf­wacht und sei­ne Augen öff­net, begin­nen alle die Kräf­te, die ihn ver­an­lasst haben, ein­zu­schla­fen, mit zehn­fa­cher Ener­gie auf ihn zu wir­ken, und er schläft sofort wie­der ein, wobei er sehr oft träumt, dass er wach sei oder auf­wa­che.” (Gurdjieff)

War­um in allen hei­li­gen, spi­ri­tu­el­len Leh­ren dar­auf gepocht wird, dass das Geist­we­sen im Men­schen auf­wa­chen MUSS! .. Und: Über die Irr­tü­mer der zivi­li­sier­ten, angeb­lich sehr ent­wi­ckel­ten west­lich-tech­ni­sier­ten Mensch­heit, deren ein­sug­ge­rier­te Gedan­ken­kom­ple­xe den Men­schen ihr eige­nes Bewusst­seins­ge­fäng­nis erschaf­fen lassen.

Für einen Men­schen west­li­cher Kul­tur ist es natür­lich schwie­rig zu glau­ben und die Vor­stel­lung anzu­neh­men, dass ein unwis­sen­der Fakir, ein nai­ver Mönch oder ein vom Leben zurück­ge­zo­ge­ner Yogi [das sind die drei Wege betref­fend Kör­per, Emo­tio­nen und Intel­lekt] sich auf dem Wege der Ent­wick­lung befin­den kann, wäh­rend ein gebil­de­ter Euro­pä­er, gewapp­net mit ‘exak­tem Wis­sen’ und allen letz­ten Unter­su­chungs­me­tho­den, über­haupt kei­ne Hoff­nung hat und sich in einem Kreis bewegt, aus dem es kein Ent­kom­men gibt.”

Gurdjieff ant­wor­te­te: “Ja, das kommt daher, weil die Men­schen an Fort­schritt und Kul­tur glau­ben. Es gibt über­haupt kei­nen Fort­schritt. Alles ist genau­so wie schon vor Jahr­tau­sen­den und Jahr­zehn­tau­sen­den. Die äuße­re Form wan­delt sich, der Kern wan­delt sich nicht. Der Mensch bleibt genau der glei­che. ‘Zivi­li­sier­te’ und ‘kul­ti­vier­te’ Leu­te leben mit den glei­chen Inter­es­sen wie die unwis­sends­ten Wil­den. Die moder­ne Zivi­li­sa­ti­on ist auf Gewalt, Skla­ve­rei und gro­ße Wor­te auf­ge­baut. […]

Was erwar­ten Sie ande­res, Men­schen sind Maschi­nen. Maschi­nen sind blind und unbe­wusst, sie kön­nen nicht anders sein. Denn alle Hand­lun­gen müs­sen ihrer Natur ent­spre­chen. Alles geschieht, nie­mand tut irgend etwas. ‘Fort­schritt’ und ‘Zivi­li­sa­ti­on’ in der wirk­li­chen Bedeu­tung die­ser Wor­te kön­nen nur das Ergeb­nis bewuss­ter Anstren­gun­gen sein. Sie kön­nen nicht das Resul­tat unbe­wuss­ter und mecha­ni­scher Hand­lun­gen sein. Und was für bewuss­te Anstren­gun­gen kann es in Maschi­nen geben? Wenn eine Maschi­ne unbe­wusst ist, dann sind auch hun­dert Maschi­nen unbe­wusst, und eben­so tau­send, hun­dert­tau­send oder eine Million. 

Und die unbe­wuss­te Geschäf­tig­keit von einer Mil­li­on Maschi­nen muss not­wen­di­ger­wei­se in Zer­stö­rung und Aus­rot­tung enden. In unbe­wuss­ten, unwill­kür­li­chen Hand­lun­gen liegt eben die Wur­zel allen Übels. Sie kön­nen sich jetzt noch nicht alle Fol­gen die­ses Übels vor­stel­len noch ver­ste­hen. Aber die Zeit wird kom­men, in der Sie ver­ste­hen wer­den. (…)

Es gibt eine öst­li­che Erzäh­lung, die von einem sehr rei­chen Magi­er han­delt, der sehr vie­le Scha­fe hat­te. Nun war die­ser Magi­er sehr gei­zig. Er woll­te kei­nen Schä­fer anstel­len, noch woll­te er die Wei­de, auf der sei­ne Scha­fe gras­ten, mit einem Zaun umge­ben. Infol­ge­des­sen lie­fen die Scha­fe oft fort in den Wald, fie­len in Abgrün­de, und vor allem lie­fen sie fort, weil sie wuss­ten, dass der Magi­er ihr Fleisch und ihr Fell woll­te, und ihnen dies nicht lieb war.

Schließ­lich fand der Magi­er ein Mit­tel dage­gen. Er hyp­no­ti­sier­te sei­ne Scha­fe und sug­ge­rier­te ihnen zual­ler­erst, sie sei­en unsterb­lich und es gesche­he ihnen kein Leid dadurch, dass ihnen die Haut abge­zo­gen wür­de, son­dern es sei im Gegen­teil sehr gut und sogar ange­nehm für sie. Zwei­tens sug­ge­rier­te er ihnen, dass er, der Magi­er, ein guter Herr sei, der sei­ne Her­de so lie­be, dass er bereit sei, alles in der Welt für sie zu tun; und drit­tens sug­ge­rier­te er ihnen, dass, wenn ihnen irgend etwas gesche­hen soll­te, es nicht gera­de jetzt gesche­hen wer­de, jeden­falls nicht am glei­chen Tag, und dass sie dar­um kei­nen Grund hät­ten, dar­über nachzudenken.

Fer­ner sug­ge­rier­te der Magi­er sei­nen Scha­fen, dass sie über­haupt kei­ne Scha­fe sei­en; eini­gen von ihnen sug­ge­rier­te er, sie wären Löwen, ande­ren, sie wären Adler, wie­der ande­ren, sie wären Men­schen und wie­der ande­ren, sie wären Magier.
Und danach hat­ten alle sei­ne Sor­gen um die Scha­fe ein Ende. Sie lie­fen nie wie­der weg, son­dern war­te­ten ruhig auf den Tag, an dem der Magi­er ihr Fleisch und ihre Fel­le benö­ti­gen würde.

Dies ist ein Aus­zug aus dem Buch “Auf der Suche nach dem Wun­der­ba­ren – Per­spek­ti­ven der Welt­erfah­rung und der Selbst­er­kennt­nis” von P. D. Ouspensky.

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Ein Gedanke zu „Bist du schon erwacht?“

  1. vie­len lie­ben dank für den so rea­len gedan­ken­aus­tausch . hat mich sehr berührt und hat mir gera­de eben als ich ver­zwei­felt war ‚über mei­ne immer stär­ker wer­den­de hypersensibelität,etwas getröstet.meine träu­me wer­den seit eini­gen tagen so stark und real das ich wäh­rend ich vor­trä­ge anschaue mich plötz­lich an orten auf­fin­de die ich nicht ken­ne .ich dort plötz­lich freun­de tref­fe die sich vor ca. 25 jah­ren umge­bracht haben. das gan­ze ist schon so weit das ich wäh­rend ich mich mit mei­nem ver­stor­be­nen freund unterhalte,trotzdem noch im hin­ter­grund den vor­trag höre bei dem ich ein­ge­schla­fen bin.klar und deut­lich. als mei­nem freund sei­ne famie­lie in dem traum auch noch dazu kam und ich fühl­te das sie über­haupt nicht gut auf mich zu spre­chen waren ‚wur­de mir ganz mul­mig und ich bekam etwas angst ‚weil ich mich mit sei­nen eltern immer gut ver­stan­den habe.
    und ich woll­te zurück. dann bemerk­te ich das ich kei­ne klei­dung an hat­te so wie ich mich eben auf die couch gelegt habe bei mir zu hau­se bevor ich einschlief.und selt­sa­mer­wei­se lagen mei­ne klei­der bei ihm vor der couch wie bei mir zuhau­se. die hab ich dann so schnell ich konn­te angezogen.und dann war ich wie­der bei mir auf der couch gelegen,mit herz­klop­fen ohne ende.
    inzwi­schen lief ein ande­rer vor­trag, und ich mus­te pul­lern. dabei bemerk­te ich das ich mei­ne klam­mot­ten noch­mal anzie­hen muss­te um raus zu gehen.….

    ich weis das sich das alles ziem­lich ver­rückt anhört ‚aber das ist genau das was ich vor etwa 2 stun­den erlebt habe,und es tut wirk­lich gut das ich es irgend­je­man­den schrei­ben kann.ich weis nicht ob ich das mei­ner frau erzäh­len kann ohne ihr angst zu machen.….!!

    dan­ke fürs zuhö­ren und für euer ver­ständ­niss an den unsicht­ba­ren din­gen auf der erde.

    mit den freund­lichs­ten grüsen 

    mar­co kernberger

    04.03.2022

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