Kain in sume­ri­schen Quellen

kain

Nach der Erzäh­lung, wie Adam (oder bes­ser gesagt “der Adam” = “der Erd­ling”) die Fähig­keit zur Fort­pflan­zung erlang­te, ver­lässt das Gene­sis-Buch die Bericht­erstat­tung über die all­ge­mei­nen Ereig­nis­se der Erde, um sich der Saga eines bestimm­ten Zwei­ges der Mensch­heit zu wid­men: Von Adam und sei­nen Nachkommen.

Dies ist das Buch der Genera­tio­nen von Adam”, sagt uns das alte Tes­ta­ment. Der, den die Bibel “Adam” nennt, war zwei­fel­los die Figur, die die Sume­rer “Ada­pa” nann­ten, “ein Erd­ling von Enki geschaf­fen” und der sei­ne eige­nen gene­ti­schen Eigen­schaf­ten haben soll­te.  Gro­ße Fähig­keit, Enki zu ver­ste­hen, hat er ihm gege­ben, damit er die Zeich­nun­gen der Erde ent­hül­len kann. Aber er gab ihm kei­ne Unsterblichkeit.

Eini­ge Tei­le die­ser “Adapa”-Erzählung wur­den gefun­den. Wahr­schein­lich war der voll­stän­di­ge Text das “Buch der Genera­tio­nen von Adam”, über das das alte Tes­ta­ment spricht.
Die assy­ri­schen Köni­ge soll­ten Zugang zu die­ser Quel­le haben, weil vie­le behaup­te­ten, sie hät­ten die eine oder ande­re der Ada­pa-Fähig­kei­ten geerbt. Sar­gon und Sen­nache­rib behaup­te­ten, sie hät­ten das Wis­sen, das Enki sei­nem Ada­pa gewähr­te, geerbt. Absur­ba­ni­pal behaup­te­te, dass er “das Geheim­nis des Schrei­bens auf den Tafeln vor dem Dilu­vio” gelernt habe, genau wie Ada­pa sie kannte.

Die Geschich­te von Kain

Nach den sume­ri­schen Quel­len gab es länd­li­che Kul­tu­ren — basie­rend auf Land­wirt­schaft — und For­men der städ­ti­schen Sied­lung, bevor die Flut alles vom Erd­bo­den fegte.

Das Buch der Gene­sis erzählt, dass Kain, das ers­te Kind von Adam und Eva, die Erde anbau­te und sein Bru­der Abel ein Schaf­hir­te war. Als Kain dann ver­bannt wur­de, weil er Abel töte­te, begann er, städ­ti­sche Sied­lun­gen aufzubauen.

Im Nud-Land öst­lich von Eden hat­te Kain einen Sohn, den er Enoch nann­te. Er grün­de­te eine Stadt, der er sei­nen Namen gab, was ” Stif­tung” bedeu­tet. Das alte Tes­ta­ment, das natür­lich kein beson­de­res Inter­es­se an der Kain-Linie hat, springt nach Enoch schnell in die vier­te Genera­ti­on zu Lamech.

Das pseu­do­epi­gra­phi­sche Jubi­lä­en­buch, das auf der Grund­la­ge von frü­he­rem Mate­ri­al zusam­men­ge­setzt wur­de, fügt die Infor­ma­ti­on hin­zu, die Kain sei­ne Schwes­ter Awan hei­ra­te­te. Und im ers­ten Jahr der ers­ten Woche des fünf­ten Jubi­lä­ums wur­den Häu­ser auf Erden gebaut. Kain bau­te eine Stadt und nann­te sie “Stif­tung”, nach dem Namen sei­nes Sohnes.

Was aber ist die Quel­le die­ser Infor­ma­ti­on? Lan­ge Zeit ging man davon aus, dass die­ser Teil der Gene­sis etwas Eigen­stän­di­ges dar­stellt.  Wir fan­den aller­dings her­aus, dass das über­haupt nicht der Fall ist. Näm­lich erfuh­ren wir, dass es im Lon­do­ner Bri­tish Muse­um eine Tafel gibt, die aus einem ande­ren unbe­kann­ten Mythos stammt: Es könn­te eine assy­risch-baby­lo­ni­sche Ver­si­on sein, etwa 2000 v. Chr. einer ältes­ten, heu­te ver­lo­re­nen Quel­le auf der Linie von Kains Nachkommen!

Ihr Text wur­de von A.R. Mil­lard kopiert und von W.G. Lam­bert über­setzt. Er spricht von einer Grup­pe von Men­schen, die mit dem Pflug arbei­te­ten (wie der bibli­sche Kain). Sie waren wan­dern­de “Amakandu”-Leute. Und — was noch wich­ti­ger ist: Der Anfüh­rer die­ses ver­bann­ten Vol­kes hieß Ka ’ in!

Außer­dem genau wie in der bibli­schen Geschich­te: Er bau­te in Dun­nu eine Stadt mit zwei Zwil­lings­tür­men. Der Name die­ses Ortes ist sehr inter­es­sant. Weil man in der sume­ri­schen Spra­che die Rei­hen­fol­ge der Sil­ben umdre­hen kann, ohne die Bedeu­tung des Wor­tes zu ändern, konn­te man die­sen Namen auch NU schrei­ben (und aus­spre­chen). DUN, der anschei­nend Nud passt, der Name, mit dem die Bibel den Ort des Exils von Kain identifiziert.

Der sume­ri­sche Name bedeu­te­te “die aus­ge­gra­be­ne  Ruhe­stät­te”. Nach dem Tod (oder Mord) von Kain wur­de er in der Stadt Dun­nu begra­ben, die er so lieb­te. Wie in der bibli­schen Geschich­te spricht der meso­po­ta­mi­sche Text von vier wei­te­ren Genera­tio­nen, danach: Brü­der hei­ra­te­ten ihre Schwes­tern, und sie töte­ten ihre Eltern, übten Domi­nanz über Dun­nu aus und kolo­nia­li­sier­ten ande­re Orte, von denen der letz­te “Shu­pat” — “Urteil” — hieß.

Kain in wei­te­ren Quellen

Eine wei­te­re Quel­le, die einen Zusam­men­hang zwi­schen den meso­po­ta­mi­schen Chro­ni­ken und der bibli­schen Geschich­te von Adam und sei­nem Sohn Kain bestä­tigt, sind die assy­ri­schen Tex­te. Laut einer sehr alten assy­ri­schen Lis­te aus  den Anfän­gen ihrer Zivi­li­sa­ti­on, als alle noch in Zel­ten leb­ten — ein Aus­druck, den wir in der Bibel über die Linie von Kain fin­den — hieß der Patri­arch ihres Vol­kes “Ada­mu”: Der bibli­sche Adam also.

Unter den tra­di­tio­nel­len assy­ri­schen Epony­men der ech­ten Namen fin­den wir schließ­lich die “Ashur-bel-Ka ‘ini” (“Ashur, Herr der Ka’ initi”). Die assy­ri­schen Schrei­ber brach­ten die­sen Aus­druck mit dem sume­ri­schen “ASHUR-EN” in Verbindung.

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