Abenteuer mit meinem Soziopathen

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In einem früheren Beitrag erzählte ich dir von meiner WUNDERbaren Freundschaft mit einem echten Soziopathen. Heute möchte ich dir einige der Abenteuer schildern, die ich im Laufe der Jahre mit diesem Unikum erlebte. Und ich versichere dir schon jetzt: In der Rückschau sind all diese Erlebnisse nicht nur sehr lustig, sie schenken auch interessante Einblicke in die Denkweise der Gesellschaft.

Eines Tages besuchte ich ihn in seiner Wohnung und fand ihn bitterlich weinend vor. Erschrocken fragte ich ihn, was denn passiert sei, und ob ich ihm helfen könne. Unter Schluchzen brachte er schließlich heraus, dass er so arm sei und nicht wisse, wie er die nächsten Wochen finanzieren solle. Zum Glück hatte ich Geld dabei und überreichte ihm 100 Euro, die ich ihm leihen wollte.

Mein Soziopath wischte sich die Tränen und sagte zu mir: „Schau mal in die Schublade dort, und hole mir die kleine Kiste bitte.“ Als die Kiste vor ihm stand, öffnete er sie, und mich traf fast der Schlag. Da lagen zig 100- und 50-Euro-Scheine, die sorgfältig gebündelt waren. Und er lachte herzlich: „Siehst du, dass du mir nichts leihen musst? Aber ich war doch gut, oder?“

Echt soziopathische Abenteuer

Das nächste Abenteuer war sehr peinlich, als ich es erlebte. Diesmal besuchte er mich, und wir kamen auf den Gedanken, uns etwas Leckeres zu kochen. Gemeinsam gingen wir also einkaufen, um die nötigen Zutaten zu besorgen. Er versprach mir, alles zu bezahlen. Als wir im Supermarkt endlich an der Kasse standen, schüttete er den Inhalt seines Geldbeutels auf das Laufband, und es waren nur ein paar Cent-Münzen.

Die Kassiererin lächelte höflich: „Das reicht aber lange nicht!“ Mein Soziopath flüsterte mit Tränen in den Augen, dass er nicht mehr Geld, aber großen Hunger habe. Die Frau an der Kasse schüttelte bedauernd den Kopf und sah mich fragend an. Aber da mein Freund ja versprochen hatte zu bezahlen, hatte ich leider kein Geld dabei. Wir hätten den Laden also ohne unsere Einkäufe wieder verlassen müssen.

Aber mein Soziopath begann zu fluchen, zu schimpfen und zu weinen. Er beklagte lauthals die Kaltherzigkeit der Welt und schniefte, dass er sich auch umbringen könne. Hinter uns hatte sich schon eine lange Schlange gebildet. Die Leute wurden ungeduldig und begannen bald ihrerseits sich zu beklagen.

Aber kurz, bevor die Kassiererin nach ihrem Chef klingeln konnte, zog mein Soziopath einen 100 Euro-Schein aus der Tasche seiner Jacke. Mit einer großen Geste reichte er ihr das Geld und lächelte charmant. Und ich wäre am liebsten in Grund und Boden versunken. Denn eigentlich wollte ich in diesem Laden ja noch öfter einkaufen.

Ein anderes Mal lud er mich ins teuerste und schickste Gourmet-Restaurant der Stadt ein. Ich freute mich auf dieses Abenteuer und verbrachte Stunden damit, die passende Garderobe zu wählen und mich zu stylen. Abends trafen wir uns pünktlich vor dem Lokal. Aber wie sah er aus! Er hatte sich die älteste Kleidung angezogen, die obendrein noch verschlissen, voller Flecken und völlig zerknittert war.

Als ich mich weigerte, das Lokal in diesem Aufzug mit ihm zu betreten, packte er mich am Arm und zog mich ins Haus. Von allen Kellnern ernteten wir selbstverständlich missbilligende Blicke. Und eine gefühlte Ewigkeit mussten wir auf eine Bedienung warten. Schließlich waren Essen und Wein aber sehr lecker, und wir hatten einen schönen Abend.

Beim Bezahlen gab mein Soziopath dann ein fürstliches Trinkgeld. Die Kellner, die uns bisher nur mit Verachtung begegnet waren, buckelten und dienerten plötzlich um uns herum. Und als wir zum Ausgang gingen, sagte mein Soziopath so laut, dass es im ganzen Lokal zu hören war: „Kleider machen Leute, aber erst das Geld macht dich zum Menschen!“

Was von einem Philosophen ja auch nicht anders zu erwarten war …

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