Rät­sel um Seattle

Seattle

In mei­nem Buch erzäh­le ich dir von der Anhe­bung von Chi­ca­go: “Kaum war die Stadt fer­tig gebaut, ent­schied man sich 1858 für eine Anhe­bung um 2,5 Meter. Wegen Über­schwem­mungs­ge­fahr. Das konn­te man natür­lich nicht vor­aus­se­hen … obwohl die Ansied­lung schon seit über 20 Jah­ren exis­ter­te …. Das Briggs-Hotel war eben fer­tig gewor­den, und nun wur­de es mit­els Man­nes­kraft und unzäh­li­gen Holz­boh­len ver­setzt. Eine ande­re Zeich­nung aus die­ser Zeit zeigt, wie ein kom­plet­tes Haus auf Boh­len von nur einem ein­zi­gen Pferd ver­scho­ben wird. Super-Hor­se in Action?

Nur weni­ge Jah­re spä­ter muss­te die­se Akti­on in Seat­tle, Tau­sen­de von Kilo­me­tern ent­fernt, wie­der­holt wer­den. Wiki­pe­dia schreibt dazu: “Als Seat­tle Under­ground wer­den die unter­ir­di­schen Gän­ge und Kel­ler im Stadt­zen­trum von Seat­tle im US-Bun­des­staat Washing­ton bezeich­net, die durch die Anhe­bung von Stra­ßen und Geh­we­gen um 1900 ent­stan­den sind. Sie waren lan­ge Zeit unge­nutzt, sind aber in den letz­ten Jahr­zehn­ten zu einer Tou­ris­ten­at­trak­ti­on geworden.

Seat­tle liegt direkt an der Elli­ot-Bucht und somit auf Höhe des Mee­res­spie­gels, wes­halb es bei Hoch­was­ser oft über­schwemmt wur­de. Auch das 1881 ein­ge­führ­te Abwas­ser­sys­tem mit Was­ser­spü­lung war nur bei Nied­rig­was­ser funk­ti­ons­fä­hig, bei Hoch­was­ser spül­ten die Toi­let­ten rückwärts.

Das Geschäfts­vier­tel in der Innen­stadt mit sei­nen Holz­häu­sern, der soge­nann­te Busi­ness Dis­trict, brann­te beim Gro­ßen Brand von Seat­tle am 6. Juni 1889 voll­stän­dig nie­der. Die Stadt ver­bot dar­auf­hin höl­zer­ne Gebäu­de und beschloss, Tei­le der Stadt „anzu­he­ben“, um dadurch die Pro­ble­me zu lösen. Dazu wur­den die Steil­ufer zum Puget Sound hin abge­tra­gen. Die Stra­ßen wur­den mit dem Abraum ange­füllt und erhiel­ten dadurch eine gleich­mä­ßi­ge­re Steigung.

Da die­se Gelän­de­ar­bei­ten aber nur lang­sam vor­an­ka­men, wur­den die neu­en Gebäu­de vom alten Stra­ßen­ni­veau aus­ge­hend errich­tet. Durch das spä­te­re Anhe­ben der Stra­ßen um bis zu zehn Meter ent­stand eine stel­len­wei­se extrem gefähr­li­che Höhen­dif­fe­renz zwi­schen Stra­ße und Geh­steig, wes­halb im Lau­fe der Zeit die Geh­stei­ge auf dem neu­en Stra­ßen­ni­veau über­deckt und die Haus­ein­gän­ge in höhe­re, jetzt „eben­erdi­ge“ Stock­wer­ke ver­legt wur­den. Die ehe­ma­li­gen Erd­ge­schos­se wur­den zu Kel­lern.

Kann man den Men­schen über­haupt soviel Dumm­heit zutrau­en? War­um bau­te man die Stadt gera­de an die­ser Stel­le und nicht etwas höher? Mir scheint, als sei auch Seat­tle sehr viel älter als man uns erzählt. Soll die Geschich­te von der Anhe­bung ein ganz ande­res Ereig­nis — eine Schlamm­flut — überdecken?

Übri­gens: Wie in Chi­ca­go ist auch hier ein Feu­er im Spiel. Denn angeb­lich ver­ur­sach­te im Som­mer des Jah­res 1889 ein Hand­wer­ker ein ver­hee­ren­des Groß­feu­er. Das Feu­er leg­te inner­halb eines Tages 31 Stra­ßen­blocks in Schutt und Asche.

Bild­quel­le

 

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