Was ist ein Egregor?

egregor

Im zwei­ten Band mei­nes Buches erzäh­le ich dir von den Fra­ter­ni­tas Satur­nii, die sich regel­mä­ßig einen Egre­gor erschaffen.

Wenn sich eine Rei­he von Men­schen um eine Idee oder einen Glau­ben ver­sam­meln, erschaf­fen ihre Gedan­ken und Wün­sche eine leben­de Wesen­heit. Auch wenn die­ses Wesen nicht aus genü­gend Mate­ri­al­teil­chen besteht, um gese­hen und berührt zu wer­den, exis­tiert es. Die­se kol­lek­ti­ve Ein­heit nennt man “Egre­gor”.

Jede Reli­gi­on — aber auch jedes Land, jede Fami­lie und jede Bezie­hung — besitzt einen Egre­gor. Beach­te bit­te die Ähn­lich­keit mit “gre­gar” (franz. gré­gai­re, lat. gregarius):

  1. Leben in kom­pak­ten Grup­pen, in Her­den, Her­den, Herden.
  2. Instinkt ~ Instinkt, der eini­ge Tie­re dazu bringt, zu leben, in Her­den zu leben.
  3. Geist (oder Instinkt) ~ Geist oder Instinkt, der man­che Men­schen dazu drängt, sich blind zu unter­wer­fen, um ihre Indi­vi­dua­li­tät inmit­ten der Men­ge voll­stän­dig zu verlieren.
  4.  Mit­glied einer (poli­ti­schen) Orga­ni­sa­ti­on ohne jeg­li­che Initiative.
  5. Der, der sich im Pro­fi-Rad­sport auf der Stra­ße für den Star opfert.

Obwohl ein Egre­gor kei­ne reli­giö­se Mani­fes­ta­ti­on ist, soll­te es nicht über­ra­schen, dass er oft mit Kul­ten in Ver­bin­dung gebracht wird. Robert Ambe­lain sagt in sei­nem Buch „Prak­ti­sche Kab­ba­la“: “Wir nen­nen Egre­gor eine Kraft, die von einer star­ken spi­ri­tu­el­len Strö­mung erzeugt wird, die spä­ter in regel­mä­ßi­gen Abstän­den gefüt­tert wird …”.

“Leib Chris­ti”: Ein Egregor

L. S. Bern­stein gab uns den viel pro­sai­sche­ren Begriff der  “Grup­pen­bil­dung”. Ein Egre­gor wird daher von Men­schen kre­iert, nicht von Göt­tern, obwohl eini­ge glau­ben, dass ande­re Wesen uns hel­fen könn­ten, ihn zu erzeu­gen. Er ist kein phy­si­sches Wesen, kein leben­der, unab­hän­gi­ger Orga­nis­mus; son­dern ein künst­li­ches Wesen, das nicht nur aus einer gemein­sa­men Idee ent­steht, son­dern regel­mä­ßig gefüt­tert wer­den muss, um nicht zu verschwinden.

Ambe­lain gibt uns ein äußerst kla­res Bei­spiel, wenn er von Begrif­fen wie  “Leib Chris­ti”, oder dem himm­li­schen Jeru­sa­lem, der mys­ti­schen Kir­che spricht, die alle ver­wen­det wer­den, um das Herz der gro­ßen spi­ri­tu­el­len Strö­mung des Katho­li­zis­mus zu beschreiben.

Aber auch Pro­tes­tan­tis­mus, Islam, Bud­dhis­mus und Frei­mau­re­rei haben die wich­tigs­ten poli­ti­schen Egre­go­rien. Dar­aus kön­nen wir schlie­ßen, dass ein Egre­gor sowohl gut als auch böse sein kann! Der gro­ße Psy­cho­lo­ge Jung schlug die Idee des kol­lek­ti­ven Unbe­wuss­ten vor. Der Egre­gor ist in gewis­ser Wei­se ein ähn­li­ches Kon­zept, da er eine unbe­wuss­te Ver­bin­dung der Geis­ter zu einem grö­ße­ren Gan­zen suggeriert.

Glück­li­cher­wei­se ist dies weni­ger wich­tig, denn wenn der Herr­scher ein­mal gebil­det und sein Bild erschaf­fen ist, braucht er viel weni­ger Anstren­gung, um sich zu erhal­ten. Wenn du dir  Bil­der vom Peters­platz im Vati­kan vol­ler Gläu­bi­gen ansiehst, die Men­schen­men­ge auf dem Roten Platz in Mos­kau, die am Tag der Arbeit mar­schiert, oder die Par­ty auf dem Times Squa­re an Sil­ves­ter, dann kannst du sehen, wie groß die Kraft  der Gedan­ken so vie­ler Leu­te ist.

Egre­gor in der Geschichte

Hit­ler war einer der weni­gen Men­schen, die es geschafft haben, einen mäch­ti­gen Egre­gor zu erschaf­fen, aber lei­der nutz­te er das Wis­sen um die her­me­ti­schen Prin­zi­pi­en zu einem  nega­ti­ven Zweck. Ein Egre­gor braucht jedoch weder gro­ße Men­schen­men­gen noch außer­ge­wöhn­li­che emo­tio­na­le Anstren­gun­gen, um geschaf­fen zu werden.

Die Fokus­sie­rung (geball­te Auf­merk­sam­keit) ist wich­ti­ger als eine all­ge­mei­ne emo­ti­ons­ge­la­de­ne Atmo­sphä­re. Ein paar Leu­te, die sich rich­tig kon­zen­trie­ren sind genau­so wirk­sam wie die rast­lo­sen Mani­fes­ta­tio­nen einer hys­te­ri­schen Men­ge. Der Egre­gor einer Geheim­ge­sell­schaft wie  der Fra­ter­ni­tas Satur­nii ist so mäch­tig, weil kein Trop­fen Ener­gie ver­lo­ren geht.

Ein­mal erstellt, muss ein Egre­gor gefüt­tert wer­den, um zu über­le­ben. Wie gesagt, die dafür benö­tig­te Ener­gie ist viel gerin­ger als für ihre Errich­tung, aber auf jeden Fall muss sie von Zeit zu Zeit zuge­führt wer­den, um ihn zu erhal­ten. Des­halb sind die Tref­fen derer, die sie her­vor­ge­bracht haben, so wich­tig: Sei­en es Got­tes­diens­te, Mili­tär­pa­ra­den oder Volks­ver­samm­lun­gen. Die­se wer­den nor­ma­ler­wei­se von einer Hand­voll Per­so­nen gelei­tet, denn die Auf­recht­erhal­tung eines Egre­gors erfor­dert immer einen “Inne­ren Kreis”, um die Ener­gie direkt fokus­sie­ren zu können.

Egre­gor und der Glaube

Der stärks­te Weg, die­se Ener­gie zu erzeu­gen, besteht dar­in, ein Ritu­al aus­zu­füh­ren. Die Unge­heu­er­lich­keit aller Reli­gio­nen und sogar der Natio­nen wird durch ein regel­mäs­sig wie­der­hol­tes  Ritu­al auf­recht­erhal­ten. Ver­giss nicht, dass das kom­mu­nis­ti­sche Russ­land gezwun­gen war, Mili­tär­pa­ra­den und gro­ße Volks­ver­samm­lun­gen abzu­hal­ten, die glei­cher­ma­ßen vol­ler Pomp und Ritua­le waren, um den neu geschaf­fe­nen Egre­gor zu ernähren.

Wann stirbt ein Egregor?

Solan­ge die Leu­te glau­ben, wird der Herr­scher exis­tie­ren. Ein gereif­ter Egre­gor kann jedoch ein rela­tiv unab­hän­gi­ges Leben füh­ren. Wenn der visio­nä­re Füh­rer einer Bewe­gung stirbt oder getö­tet wird und die Bewe­gung von Ande­ren über­nom­men wird, wer­den ihre ursprüng­li­chen Ideen manch­mal völ­lig ver­än­dert. Dann sagen wir, dass die, die die Füh­rung der Orga­ni­sa­ti­on über­nah­men, sie dazu führ­ten, ihre eige­nen klei­nen Zie­le zu errei­chen, getrie­ben von Gier oder Bos­heit. Aber könn­te nicht der Egre­gor selbst sie in die Irre führen??

Der effek­tivs­te Weg, um einen Egre­gor schnell zu ver­nich­ten, ist die Ver­wen­dung von Feu­er. Wenn jemand einen Egre­gor dau­er­haft zer­stö­ren kann, wird er sofort ver­schwin­den. Im alten Ägyp­ten erfolg­te die Besei­ti­gung eines Kul­tes durch das Aus­lö­schen jeg­li­cher Spu­ren, wie es bei Al-Amar­na der Fall war oder im Fall der Zer­stö­rung der Denk­mä­ler des Pha­rao Ahkenaton.

Ande­rer­seits wuss­ten die Römer nicht, dass nur das Feu­er einen Egre­gor zer­stört, wäh­rend ein Blut­op­fer ihn aber stärkt! Das Ver­gie­ßen des Blu­tes der christ­li­chen Mär­ty­rer stärk­te ihren Egre­gor, was ihren Sieg sicher­te. Ver­ges­sen wir nicht, dass das Chris­ten­tum die Tem­pel der anti­ken Göt­ter zer­stör­te oder in Kir­chen umwan­del­te. Gleich­zei­tig scheint es, dass die Inqui­si­ti­on mit die­sen Din­gen gut ver­traut war, denn sie ver­brann­te die Ket­zer und ihre Bücher.

Wir fin­den Anklän­ge an sol­che Gedan­ken in der Ver­bren­nung der Biblio­thek von Alex­an­dria und in der Kris­tall­nacht des 9. Novem­ber 1938, als Syn­ago­gen in ganz Deutsch­land und Öster­reich zer­stört und “sub­ver­si­ve” Wer­ke in Brand gesteckt wurden.

Der Egre­gor ist eine Bat­te­rie, und wir sind ihre Zel­len. Wenn du einem Orden oder einer Reli­gi­on bei­trittst, oder wenn du an Got­tes­diens­ten in einer Kir­che teil­nimmst, bin­dest du dich an ihren Egre­gor und wirst zu einer sei­ner Zel­len. Du gibst dem Egre­gor, der in der Tat ein Ener­gie­spei­cher ist, dei­ne Kraft.

Im Gegen­zug gibt dir der Egre­gor ein Gefühl der Zuge­hö­rig­keit. Des­halb fühlst du dich mit den ande­ren Mit­glie­dern der Gemein­schaft in voll­kom­me­ner Harmonie.

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