Wie Ver­gess­lich­keit erzeugt wird

vergesslichkeit

Wie (und von wem!) das mensch­li­che Bewusst­sein seit Jahr­tau­sen­den maniu­liert wird, schil­der­te ich dir bereits in mei­nen Büchern sehr aus­führ­lich. Heu­te soll es nun um die Ver­gess­lich­keit gehen.

Um jede Revol­te im Vor­aus zu ersti­cken, soll­te sie nicht gewalt­sam erfol­gen. Archai­sche Metho­den wie Hit­lers sind ein­deu­tig ver­al­tet. Es genügt, eine kol­lek­ti­ve Kon­di­tio­nie­rung zu schaf­fen, die so mäch­tig ist, dass Nie­man­dem die Idee der Revol­te in den Sinn kommt. Ide­al wäre es, Per­so­nen von Geburt an zu for­ma­tie­ren, indem ihre ange­bo­re­nen bio­lo­gi­schen Fähig­kei­ten ein­ge­schränkt werden.

Dann wird die Kon­di­tio­nie­rung fort­ge­setzt, indem man das Niveau und die Qua­li­tät der Bil­dung dras­tisch redu­ziert und auf die Form der beruf­li­chen Ein­glie­de­rung redu­ziert. Ein unge­bil­de­ter Mensch hat nur einen Gedan­ken­ho­ri­zont,  der sich auf mate­ri­el­le und durch­aus mit­tel­mä­ßi­ge Sor­gen beschränkt. Und des­to weni­ger kann er revol­tie­ren. Es ist nötig,

  • dass der Zugang zu Wis­sen immer schwie­ri­ger und eli­tä­rer wird
  • dass die Kluft zwi­schen Volk und Wis­sen­schaft grö­ßer wird
  • dass Infor­ma­tio­nen für die Öffent­lich­keit von sub­ver­si­ven Inhal­ten betäubt werden
  • dass höhe­re Phi­lo­so­phie von den Men­schen fern­ge­hal­ten wird

Wie­der ein­mal muss Über­zeu­gungs­ar­beit, nicht direk­te Gewalt, ange­wandt wer­den: Mas­sen­aus­strah­lung durch das Fern­se­hen, dum­me Unter­hal­tung, immer schmei­chel­haft für das Emo­tio­na­le und das Instinktive.

Erzeug­te Vergesslichkeit

Betäu­ben wir unse­ren Geist mit untä­ti­gem Geschwätz und unab­läs­si­ger Musik, ver­hin­dern wir, dass der Ver­stand sich selbst hin­ter­fragt, den­ken und reflek­tie­ren kann. Stel­len wir vor allem die Sexua­li­tät in die ers­te Rei­he mensch­li­cher Inter­es­sen. Denn als Sozi­al­nar­ko­se gibt es nichts Besseres.

Lasst uns gene­rell den Ernst aus der Exis­tenz ver­ban­nen, alles von hohem Wert in einen Hohn ver­wan­deln, eine  Ent­schul­di­gung für die stän­di­ge Des­in­for­ma­ti­on auf­recht erhal­ten! So wird die Eupho­rie der Wer­bung und des Kon­sums zum Stan­dard des mensch­li­chen Glücks und zum Modell der Freiheit.

So wird die Kon­di­tio­nie­rung zu einer sol­chen Inte­gra­ti­on füh­ren, dass die ein­zi­ge Angst (die auf­recht­erhal­ten wer­den muss) dar­in besteht, aus dem Sys­tem aus­ge­schlos­sen zu wer­den und somit nicht mehr auf die für “Glück” not­wen­di­gen mate­ri­el­len Bedin­gun­gen zugrei­fen zu können.

Der so erzeug­te Mas­sen­mensch muss behan­delt wer­den wie das, was er ist: Ein Pro­dukt, ein Kalb, und er muss beob­ach­tet wer­den, wie eine Her­de beob­ach­tet wer­den muss. Alles, was sei­ner Klar­heit, sei­nem kri­ti­schen und sozi­al guten Ver­stand erlaubt, ein­zu­schla­fen, muss geför­dert wer­den. Und alles, was ihn wecken könn­te, muss bekämpft, belä­chelt und letzt­lich  erstickt wer­den. Jede Dok­trin, die das Sys­tem in Fra­ge stellt, soll­te als sub­ver­siv und ter­ro­ris­tisch bezeich­net wer­den. Und dann soll­ten die, die es unter­stüt­zen, auch als sol­che behan­delt werden.

Dies ist ein über­setz­ter Aus­zug aus “Die Obso­le­s­zenz des Men­schen” von Gün­ther Anders, erschie­nen 1956
(Obso­le­s­zenz meint hier Ver­al­ten (oder Ver­ges­sen) von Wissen)

Bild­quel­le
Das Foto zeigt ein Bei­spiel für die Mas­ken­pflicht im New York des Jah­res 1956. Wuss­test du noch etwas davon?

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