Das Tho­mas-Evan­ge­li­um

thomas-evangelium

Jesus sag­te zu sei­nen Jün­gern: Ver­gleicht mich und sagt mir, wem ich glei­che! Es sag­te zu ihm Mat­thä­us: Du gleichst einem wei­sen, klu­gen Men­schen. Tho­mas sag­te zu ihm: Meis­ter, mein Mund wird es ganz und gar nicht über sich brin­gen, dass ich sage, wem du gleichst. 

Jesus sag­te: Ich bin nicht dein Meis­ter, da du getrun­ken hast und trun­ken gewor­den bist von der spru­deln­den Quel­le, die ich aus­ge­mes­sen habe. 

Und er nahm ihn, zog sich zurück und sag­te ihm drei Wor­te. Als Tho­mas aber zu sei­nen Gefähr­ten kam, frag­ten sie ihn: Was hat dir Jesus gesagt? Es sag­te zu ihnen Tho­mas: Wenn ich euch eines der Wor­te sage, die er mir gesagt hat, wer­det ihr Stei­ne neh­men und nach mir wer­fen, und Feu­er wird aus den Stei­nen kom­men und euch ver­bren­nen.” (Tho­mas-Evan­ge­li­um)

Jesus sag­te ihm:
“TAT TVAM ASI
(“ICH BIN DU”)

Übri­gens: Eine ganz per­sön­li­che (und höchst dra­ma­ti­sche!) Rei­se zu die­ser Erkennt­nis schil­dert mein neu­er “Roman” sehr anschau­lich und ohne Dogmen.

In den urchrist­li­chen Gemein­den kur­sier­te anfäng­lich nur die münd­li­che Über­lie­fe­rung. Erst spä­ter wur­de ein fan­ta­sie­rei­ches Bei­werk von Wun­der­ge­schich­ten und Legen­den gedich­tet: Die Rah­men­er­zäh­lung, ange­fan­gen von der Jung­frau­en­geburt bis zur Him­mel­fahrt des Auf­er­stan­de­nen, fand erst all­mäh­lich Ein­gang in die christ­li­che Leh­re. Sie wur­de vom Son­nen­kult stark beeinflusst.

Außer dem Bedürf­nis der kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten, den immer rei­ßen­der wer­den­den Strom von Geschich­ten durch eine Ein­heits­fas­sung ein­zu­däm­men, hat sicher das Schwin­den der urchrist­li­chen Hoff­nung auf das Ende der Welt den Anstoß zur schrift­li­chen Fixie­rung der Evan­ge­li­en gege­ben. So ent­stan­den die ers­ten schrift­li­chen Fas­sun­gen wahr­schein­lich zwi­schen den Jah­ren 70 und 125.

Jesus im Thomas-Evangelium

Bei den sehr unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen der Früh­chris­ten über den Inhalt der Leh­re Jesu konn­te es nicht aus­blei­ben, daß die Geschich­te der anzu­er­ken­nen­den Evan­ge­li­en von schwe­ren Kämp­fen beglei­tet war. In wel­chem Aus­maß in die­ser Zeit mit der vor­erst nicht rekon­stru­ier­ba­ren ursprüng­li­chen christ­li­chen Heils­leh­re mani­pu­liert wor­den ist, geht dar­aus her­vor, daß zahl­rei­che lite­ra­ri­sche Ver­su­che zur Fixie­rung der neu­tes­ta­ment­li­chen Tex­te unter­nom­men wor­den sind.

Das Tho­mas-Evan­ge­li­um ist nun ein Doku­ment von sol­cher Bedeu­tung, daß etwa der Spre­cher des inter­na­tio­na­len For­schungs­ko­mi­tees, Pro­fes­sor Oscar Cull­mann (Spe­zia­list für Geschich­te des frü­hen Chris­ten­tums an der Pari­ser Sor­bon­ne)   glaubt, das Evan­ge­li­um nach Tho­mas sei für die Bibel­for­schung eben­so wich­tig wie die unge­fähr gleich­zei­tig ent­deck­ten Schrift­rol­len vom Toten Meer, die Qumran-Funde.

Cull­mann urteilt: “Die Quel­le unse­rer Schrift ist offen­bar eine älte­re Samm­lung von Aus­sprü­chen Jesu aus den ers­ten Jah­ren nach der Kreu­zi­gung, ganz ähn­lich der­je­ni­gen, die Mat­thä­us und Lukas kann­ten. Mar­kus kann­te wahr­schein­lich eine Samm­lung, die der unse­ren ganz ähn­lich war.” Das so genann­te Tho­mas-Evan­ge­li­um wur­de dem­nach vor der abschlie­ßen­den Fixie­rung der kano­ni­schen Evan­ge­li­en abge­fasst. Sei­ne Bot­schaft ist noch nicht von spä­te­ren Legen­den beeinflusst.

Das Tho­mas-Evan­ge­li­um hat aber für die For­schung noch auf ande­re Wei­se Bedeu­tung: Außer Sprü­chen Jesu, die wort­wört­lich auch in den syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en ent­hal­ten sind, gibt es Sät­ze wie­der, deren Essenz gewöhn­lich der so genann­ten Gno­sis zuge­rech­net wird.

Nun gibt es in der Reli­gi­ons­wis­sen­schaft kaum ein solch  kom­ple­xes und hef­tig umstrit­te­nes Gebiet wie das, was man unter »Gno­sis«, »Gnos­tik« oder »Gnos­ti­zis­mus« ver­steht. Aber schließ­lich nennt der Schöp­fer sein Geschöpf schon in der Schöp­fungs­ge­schich­te אדם, das unter Ande­rem auch als אני דמה (“Ich glei­che”) gele­sen wird.

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