Die uralte Kunst der Flüche

Solan­ge die Mensch­heit an Gott­hei­ten, das Über­na­tür­li­che und die Macht der Magie glaubt, ist die Ver­wen­dung von Magie, Zau­ber­sprü­chen und Flü­che in allen Kul­tu­ren weit verbreitet.
Sehr eng mit der mensch­li­chen Natur ver­wo­ben, haben sich sol­che Über­zeu­gun­gen und Prak­ti­ken bis heu­te fortgesetzt.

Archäo­lo­gi­sche Fun­de zei­gen Bewei­se für eine Fül­le von alten Flü­che und Schutz­zau­ber, wie die Ent­de­ckung von ver­fluch­ten Tablet­ten, bösem Blick und Talis­ma­nen. Die Geschich­te der Flü­che vari­iert zwi­schen Kul­tu­ren, Orten, Reli­gio­nen, Glau­bens­rich­tun­gen und Zeiten.

Die Absicht der Flü­che bestand aber immer dar­in, eine über­na­tür­li­che Kraft zu beschwö­ren, um einem Ziel Unglück oder Bestra­fung zuzu­fü­gen. Ein Fluch, der manch­mal als dunk­ler Zau­ber­spruch bezeich­net wird, kann geschrie­ben oder manch­mal durch ein aus­ge­klü­gel­tes Ritu­al gewirkt wer­den. In der Anti­ke war ein Fluch ein mäch­ti­ges Phä­no­men, das oft als der her­auf­be­schwo­re­ne Zorn von Göt­ter oder die Anwe­sen­heit böser Mäch­te ange­se­hen wurde.

Es wur­de ange­nom­men, dass die, die ver­flucht wur­den, Hil­fe bei Magi­ern, Scha­ma­nen, reli­giö­sen Füh­rern, Hei­lern und Hexen­dok­to­ren suchen und den Fluch durch Gegen­ri­tua­le oder Gebe­te rück­gän­gig machen kön­nen. Eine Mög­lich­keit, einen Fluch von vorn­her­ein zu ver­mei­den, bestand dar­in, bestimm­te Schutz- oder Schutz­ge­gen­stän­de zu besitzen.

Der Zweck von Zau­ber­sprü­che und Flü­chen war und ist bis heu­te dar­auf gerich­tet, Ver­hal­ten zu bestra­fen oder zu ändern, Kata­stro­phen abzu­weh­ren und die Hand­lung ande­rer Men­schen zu kontrollieren.

Flü­che in der Geschichte

Die alt­ägyp­ti­schen Flü­che sind wahr­schein­lich die berüch­tigts­ten. Sie wur­den 1922 bekannt, als das Grab des Pha­rao Tutacha­mun geöff­net wur­de: Der mys­te­riö­se Tod eini­ger Mit­glie­der des Archäo­lo­gen­teams und pro­mi­nen­ter Besu­cher des Gra­bes lös­te einen Feu­er­sturm von Spe­ku­la­tio­nen über die Macht der Flü­che aus.

War­nun­gen oder Schutz­zau­ber wur­den häu­fi­ger ver­wen­det, um die ritu­el­le Rein­heit eines Gra­bes zu bewah­ren oder um einen all­ge­mei­nen Schutz zu gewähr­leis­ten. For­scher stell­ten fest, dass eini­ge Flü­che in pri­va­ten Grä­bern des Alten Rei­ches zu fin­den sind.

Flü­che oder die Bedeu­tung durch ver­fluch­te Gegen­stän­de waren eine cle­ve­re Metho­de, um Wert­sa­chen zu schützen.
Im Mit­tel­al­ter waren Buch­flü­che weit ver­brei­tet und effek­tiv, um Die­be von wert­vol­len Wäl­zern und Schrift­rol­len fern­zu­hal­ten. Die mit­tel­al­ter­li­che Kir­che besass vie­le der Bücher, und die Stra­fe für das Ver­un­stal­ten oder Steh­len von Büchern war hoch. In den Wäl­zern geschrie­be­ne Flü­che warn­ten Die­be vor schlim­men Fol­gen, wie Exkom­mu­ni­ka­ti­on oder Ver­damm­nis. Die­se Pra­xis stammt aus vor­christ­li­cher Zeit und wur­de in den frü­hes­ten Biblio­the­ken verwendet.

Die Bücher einer Samm­lung der Biblio­thek von Nini­ve in Meso­po­ta­mi­en waren mit ver­schie­de­nen Flü­chen gekenn­zeich­net. Die Idee von Flü­che und Ver­he­xun­gen fin­det sich in ver­schie­de­nen hei­li­gen Büchern, wie in der christ­li­chen Bibel.

Fluch­ta­feln waren eine Mög­lich­keit, mit der die Men­schen der alten grie­chisch-römi­schen Gesell­schaft ver­such­ten, bös­wil­li­ge Geis­ter und den Zorn mäch­ti­ger Göt­ter zu nut­zen, um ihre Fein­de zu ver­dam­men. Auf einer in Lon­don gefun­de­ne Tafel steht: “Ich ver­flu­che Tre­tia Maria und ihr Leben, ihren Ver­stand und ihr Gedäch­nis, so kann sie weder spre­chen, was ver­bor­gen ist noch fähig sein.

1600 Jah­re alte Tafel­flü­che wur­den in Ita­li­en gefun­den und kürz­lich über­setzt. Die Zei­tung berich­tet, dass die bös­wil­li­gen Wor­te und erschre­cken­de Bil­der das Ende sowohl eines römi­schen Sena­tors als auch eines Tier­arz­tes namens Por­cel­lo bedeu­ten soll­ten. In die Blei­plat­te war eine Zeich­nung der grie­chi­schen Göt­tin Heka­te ein­ge­ritzt, auf deren Kopf sich Schlan­gen win­den. Der Fluch lau­tet: “Zer­stö­re, zer­quet­sche, töte, erwür­ge Por­cel­lo und sei­ne Frau Mau­ril­la. Ihre See­le, ihr Herz, ihr Gesäß, ihre Leber.”

Flü­che in der Magie

Die Aus­übung von Magie oder Hexe­rei wird oft mit Flü­chen und bösen Ver­he­xun­gen in Ver­bin­dung gebracht. His­to­risch ging man in Euro­pa davon aus, dass ein Fluch dahin­ter­steckt, wenn Ern­ten ver­faul­ten oder Lebens­mit­tel uner­war­tet ver­dar­ben. Ande­re “Bewei­se” für Flü­che waren, dass Pfer­de lahm gin­gen oder Milch­kü­he starben.

Anschul­di­gun­gen der Hexe­rei waren ein Pro­dukt der Span­nung, die durch sol­che Vor­komm­nis­se erzeugt wur­den, und als Ergeb­nis von Hexen­pro­zes­sen wur­den häu­fig unschul­di­ge Men­schen getö­tet. Mit dem Tod der ange­klag­ten  Hexe glaub­te man, der Fluch sei gebrochen.

Der böse Blick ist ein alter Fluch, der auf der gan­zen Welt bekannt ist. Er stammt aus der Jung­pa­läo­li­thi­kum und wird noch heu­te in vie­len Kul­tu­ren abge­wehrt, ins­be­son­de­re in Nahen Osten, Latainame­ri­ka, Afri­ka, Mit­tel­ame­ri­ka, Asi­en, Euro­pa und im Mit­tel­meer­raum. Die­ser böse Blick ist die Ursa­che für Pech oder Ver­let­zung und ein Fluch, der manch­mal durch Eifer­sucht, eine bestimm­te Augen­far­be oder Hab­sucht ver­ur­sacht wird.

Weil der Glau­be an die Macht des bösen Blicks auf der gan­zen Welt so all­ge­gen­wär­tig ist, sind in vie­len Län­dern Talis­ma­ne oder Amu­let­te, die den Fluch abweh­ren sol­len, leicht zu finden.
Wäh­rend Flü­che und Magie der Aber­glau­be der Alten zu sein schei­nen, gibt es heu­te noch vie­le, die sich mit Amu­let­ten oder Schutz­zau­ber gegen die Aus­wir­kun­gen von Flü­chen bewaffnen.

Unse­re ratio­na­le, wis­sen­schaft­li­che Welt spot­tet über die Vor­stel­lung, dass Flü­che eine Gefahr für jeden dar­stel­len. Den­noch kann die medi­zi­ni­sche Wis­sen­schaft zei­gen, dass der Noce­bo-Effekt eine nega­ti­ve psy­cho­ge­ne Reak­ti­on auf eine Wahr­neh­mung oder Erwar­tung ein star­kes psy­cho­lo­gi­sches Phä­no­men bleibt. Wenn du wirk­lich glaubst, dass du ver­flucht bist und die­ser Glau­be stark genug ist, könn­test du dem Fluch erlie­gen, ob er in Wirk­lich­keit exis­tiert oder nicht.

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